Corona und Liquidität Phase 2

Aktualisierung 17.07.2020 - alle aktualisierten Textstellen in kursiver Schrift

Finanzierungsstruktur zukunftsfest machen

Tages-Liquidität gesichert?

Ihre Tages-Liquidität ist gesichert!? Die im Kapitel "Corona und Tagesliquidität" beschriebenen Themen und Arbeitsschritte sind im Griff? Wenn dies noch nicht der Fall sein sollte oder Sie sich nicht sicher sind: Dann gehen Sie diese Themen noch einmal durch. Denn diese sind alle auch nützlich für die nächste Aufgabe Die Finanzierungsstrukturen Ihres Unternehmens zukunftssicher zu machen.

Bestandsaufnahme Finanzierungsstrukturen

Als ersten Einstieg in das Thema Finanzierungsstrukturen empfehle ich Ihnen die „Checkliste Unternehmensfinanzierung“ des Bundesverband Die KMU-Berater. Laden Sie die Checkliste hier herunter und geben Sie Ihre Einschätzung für Ihr Unternehmen zu den zehn Thesen der Checkliste ab. Bereits beim Ankreuzen werden Sie erkennen, wo Sie Handlungsbedarf haben.

Für die Bestandsaufnahme sollten Sie über zwei weitere Instrumente verfügen:

•  Bankenspiegel: Eine Zusammenstellung aller Ihrer Kreditverträge mit den wesentlichen Merkmalen eines jeden Kredits und den Terminen, an denen Sie für diese Kredite wieder aktiv werden müssen.

•  Sicherheitenspiegel: Eine Zusammenstellung aller von Ihnen jemals unterschriebenen Sicherheitenverträge mit deren wesentlichen Merkmalen und einer Zuordnung für welche Kredite jede Sicherheit haftet.

Verhandlungsmachtposition realistisch einschätzen

Dieser Punkt gehört auch noch mit zur Bestandsaufnahme. Ich behandele in separat, weil er von hoher Bedeutung ist. Denn nur wenn Sie Ihre Verhandlungsmachtposition realistisch einschätzen können, werden Sie Ihre Kreditgespräch erfolgreich führen können. Dieses Thema kam auch schon in der Checkliste vor. Es umfasst die drei entscheidenden Parameter für eine Kreditentscheidung bei Banken und Sparkassen:

•  Ratingnote und deren Bedeutung für die weitere Kreditvergabebereitschaft (mehr dazu unter www.ratingnoten.kmu-berater.de).

•  Kapitaldienstfähigkeitsberechnung – also die Frage, ob Ihr Unternehmen künftig genug Liquiditätsüberschuss erwirtschaften wird, um Zins und Tilgung bedienen zu können.

•  Blankovolumen Ihrer Kredite – also die Frage, wie die Bank die von Ihnen zur Verfügung gestellten Sicherheiten bewertet. Das Blankovolumen ergibt sich dann aus folgender Differenz: Summe aller Kreditlinien abzüglich Sicherheitenwert aus Sicht der Bank.

Erst wenn Sie diese drei Parameter kennen, können Sie eine realistische Einschätzung entwickeln. Wenn Sie diese Informationen nicht haben, fragen Sie Ihre Banken und Sparkassen danach. Diese sind nicht immer „begeistert“ über diese Fragen. Das Antwortverhalten ist sehr unterschiedlich. Da diese Parameter aber auf Basis der von Ihnen zur Verfügung gestellten Informationen von der Bank berechnet werden, sollte es im Rahmen einer Geschäftspartnerschaft eine Selbstverständlichkeit sein, dass Sie diese Informationen auch erhalten.

Einige wesentliche Aspekte Ihrer Finanzierungsstrukturen für die Zukunft

Ausgehend von Ihrer Bestandsaufnahme haben Sie Handlungsfelder erkannt und werden diese angehen. Einige ergänzende und auch wiederholende Aspekte:

•  Ziele und Planung: Wie wollen Sie Ihr Geschäft in diesem und den beiden kommenden Jahren weiter entwickeln? Dahinter steht natürlich die Frage, wie wird es mit und nach Corona weitergehen? Auch wenn diese nicht eindeutig zu beantworten sein wird, entwickeln Sie Ihre Ideen und Vorstellungen dazu. Und diese Ziele übertragen Sie in einem zweiten Schritt in Planzahlen: Eine Ertragsplanung und ggf. – vor allem bei größeren Unternehmen – auch in eine Liquiditätsplanung zumindest für die kommenden zwölf Monate.

•  Szenarien: Im ersten Schritt entwerfen Sie eine Vorstellung von der Zukunft im Sinne von „Ziele und Planung“. Aber was würde passieren, wenn es nicht so käme? Wenn es deutlich besser laufen würde? Oder auch deutlich schlechter? Erarbeiten Sie dafür zwei ergänzende Szenarien zu Ihren Planungen.

•  Finanzierungsbedarf für die nächsten zwei Jahre: Schätzen Sie diesen auf Basis Ihrer „Ziele und Planung“ und der ergänzenden Szenarien ein – sowohl für Investitionen wie für den Bedarf an Kontokorrentkreditlinien.

•  Zwei annähernd gleich starke kreditgebende Hausbankverbindungen: Wenn das noch nicht der Fall sein sollte, welche Aktivitäten sind – auch mit Blick auf den Finanzierungsbedarf – sinnvoll, um dahin zu kommen.

•  Ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten: Welche nutzen Sie bereits und möchten diese ausbauen oder erstmals nutzen? Denken Sie an Leasing, Factoring, Kapitalbeteiligungen, Internetportale, . . .

•  Eigenkapitalausstattung Ihres Unternehmens: Was wollen Sie damit nach außen an Stärke dokumentieren? Hat das Eigenkapital mit der Geschäftsentwicklung Schritt gehalten?

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Die Zahl der Themen mag auf den ersten Blick sehr umfangreich erscheinen. Auch weil die einzelnen Themen ja nicht „mal so eben“ zu erledigen sein werden. Gehen Sie die Themen trotzdem an. Das wird auch die Krisenfestigkeit Ihres Unternehmens auf Dauer stärken.

Viele weitere Hinweise rund um die Themen Finanzierung und Bankenkommunikation finden Sie jeweils im Menüpunkt „Aktuelles“ auf www.bankgespraeche.de und www.kreditverhandlungen.de sowie in vielen meiner Fachbeiträge rund um Finanzierung.

Weitere Praxistipps zu "Corona und . . ."

Weitere Praxistipps zu "Corona und . . ." finden Sie auf www.corona-krise.cd-sander.de zu vielen Themen der Unternehmensführung in Corona-Zeiten. Außerdem finden Sie dort mein Beratungsangebot. Weitere Impulse finden Sie in meinen Fachbeiträgen zur Unternehmensführung.

Speziell für Steuer- und Unternehmensberater

"Corona-Krise: Wie Sie Ihre Mandanten jetzt unterstützen können" Beitrag in „NWB-Betriebswirtschaftliche Beratung“ Ausgabe April 2020 (mehr Infos unter www.nwb.de/go/nwb-bb ) – unter diesem Link. Dort finden Sie auch eine Checkliste für eine strukturierte Gesprächsführung am Telefon einschließlich Tipps für deren Nutzung in der Beratung. Weitere Hinweise gerade auch für Berater*innen finden Sie auf der Seite "Corona und Lesen".

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