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Fachkräftemangel und das "freie" Mitarbeitergespräch

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Fachkräftemangel und Mitarbeiter-Kommunikation

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Ist er aber auch in den Unternehmen in der Kommunikation unter einander angekommen? Denn in Zeiten des Fachkräftemangels wird die Kommunikation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch wichtiger.

Das gilt für alle Formen der Kommunikation:

•  Allgemeine Informationen zur Unternehmensentwicklung
•  Jährliches Gespräch zur Beurteilung und Weiterentwicklung
•  Gespräche zwischen Tür und Angel
•  Auftragserteilungen und – weitergaben
•  Delegation
•  . . .

In diesen Zeiten kommt es umso mehr darauf an zu erfahren, wie es der und dem Einzelnen im Unternehmen „wirklich“ geht. Dafür ist das Jahresgespräch mit Beurteilung und Entwicklung aber nicht richtig gut geeignet – sagt Prof. Fredmund Malik und empfiehlt einmal im Jahr ein weiteres Gespräch mit allen im Unternehmen:

Das "freie" Mitarbeitergespräch

 


Malik nennt es das „Gespräch ohne Tagesordnung“. Aus meiner Sicht „frei“ deshalb, weil es eben keine Tagesordnung hat und damit nicht die Sachebene mit Themen wie Beurteilung und Fortentwicklung im Mittelpunkt steht – sondern die Beziehungsebene. Und ein Gespräch darüber muss sich frei entwickeln können.

Damit entfällt die „spannungsgeladene Atmosphäre der Leistungsbeurteilung“ (dieses und alle weiteren Zitate: Malik Letter 21/2021 – 28.05.2021). Malik weiter: „Das hier gemeinte Gespräch ist etwas Spezielles, das nur den einzelnen Mitarbeitenden, sein Empfinden in dieser Organisation und seine Meinung zum Thema macht.“

Gespräch ohne Tagesordnung bedeutet natürlich nicht, dass Sie für dieses Gespräch nicht Themen im Hinterkopf haben. Solche mögliche Themen könnten zum Beispiel sein:

•  Was gefällt Ihnen in unserer Firma – oder Abteilung – ganz besonders gut?
•  Was gefällt Ihnen gar nicht?
•  Was sollten wir nach Ihrer Meinung ändern?
•  Wie sehen Sie die Zukunft unseres Unternehmens? Auf welche Entwicklungen sollten wir (mehr) achten?
•  Wie sehen Sie die Zukunft unserer Branche
•  Was kann ich als Ihr Chef oder als Ihre Chefin tun, damit Sie noch besser, noch leichter, noch wirksamer arbeiten können?“
•  . . .

Malik schreibt zu diesem freie Mitarbeitergespräch in Abgrenzung zu den „üblichen“ Mitarbeitergesprächen: „Aber es geht (in den „üblichen“ Gesprächen) nur selten um den Menschen als solchen, auch wenn noch so viele Lippenbekenntnisse dazu abgegeben werden. Und man hat selten Zeit, dem Menschen – dieser Person – einfach nur zuzuhören, mit genügend Zeit, und ohne dass es um eine unmittelbare Aktivität geht“. Daher gilt beim freien Mitarbeitergespräch noch mehr als sonst in der Kommunikation: Seien Sie offen für auch verdeckte Hinweise Ihres Mitarbeiters in diesem Gespräch und greifen Sie diese auf, fragen Sie nach, um wirklich zu verstehen was gemeint ist.

Das freie Mitarbeitergespräch beinhaltet auch die Möglichkeit, dass private Themen zur Sprache kommen. Malik: „Vielleicht kommt man, falls der Mitarbeitende selbst das will, auch auf private Dinge zu sprechen.“ Themen könnten die private Lebenssituation sein wie Kinder, zu pflegende Angehörige, Hobbies etc. Dies ist allerdings kein Muss und sollte auch nicht eingefordert werden – auch nicht unausgesprochen. Malik: „Wie gesagt, falls der Mitarbeitende das will – manche wollen es nicht. Das ist gar nicht so schlecht, und man sollte es respektieren“.

Wenn der Mitarbeiter private Themen zur Sprache bringt, können Sie ggf. sogar da und dort unterstützen. Geht das Gespräch in diese Richtung bietet es auch die Möglichkeit, dass Sie selber private Aspekte ansprechen – sich nahbarer machen. „Wie weit man in diesem Zusammenhang geben will, muss jeder Chef selbst entscheiden“. Aber drehen Sie das Gespräch bitte nicht um, sodass Ihre privaten Themen plötzlich im Mittelpunkt stehen.

Dieses besondere Gespräch ist auch entgegen allen sonstigen Regeln ein Gespräch ohne definierte Zeitdauer. Denn Sie wissen als Chefin oder Chef nicht, was sich an Themen ergeben wird. Ggf. kommen Sie mit Ihrer Mitarbeiterin auf persönliche Themen zu sprechen, die Sie dann nicht mit Blick auf die Uhr unterbrechen wollen und können. Signalisieren Sie das „offene Ende“ und legen Sie den Termin gegen das Ende der täglichen Arbeitszeit. Dann können beide Seiten entsprechend Zeit einplanen. .

Das freie Mitarbeitergespräch und Sie

Fragen Sie sich selber,

•  ob diese Art von Mitarbeitergesprächen zu Ihnen als Führungspersönlichkeit passt und Sie solche Gespräche aus ehrlichem Interesse an den Menschen in Ihrem Unternehmen führen möchten,
•  ob und wie und in welchem Umfang Sie diesen von Malik angesprochenen Ansatz bereits in Ihre Mitarbeiterkommunikation einbeziehen,
•  wenn ja, ob und wie Sie das vielleicht verstetigen oder ausbauen möchten, wenn nein, ob Sie diesen Ansatz vielleicht mit in Ihre Mitarbeiter-Kommunikation einbauen möchten und wie Sie damit am besten beginnen (auch dabei gilt: Offenheit ist wichtig – überraschen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern damit nicht, sondern kündigen Sie diese z.B. in einer Team-Runde als neues Format an).

Das freie Mitarbeitergespräch und der Fachkräftemangel

Zwei Vorteile bietet aus meiner Sicht das freie Mitarbeitergespräch mit Blick auf den Fachkräftemangel:

•  Es fördert die Mitarbeiterbindung, denn Sie zeigen echtes, wirkliches Interesse an Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht nur als Fachkräfte, sondern auch als Menschen.

•  Es fördert die Mitarbeitergewinnung, denn Sie können auf dieses Element Ihrer Führungsarbeit in der Werbung und in Vorstellungsgesprächen hinweisen. Gerade jüngeren Menschen sind solche Elemente der Führung wichtig. Apropos Vorstellungsgespräch: Wer stellt sich heute eigentlich wem vor? Die interessierten Bewerber*innen dem Unternehmen? Oder stellt sich das Unternehmen den Menschen vor, die eventuell interessiert sind für das Unternehmen zu arbeiten?

Fragen zur Umsetzung in Ihrem Unternehmen

Sie möchten sich zur Umsetzung dieses "Aktuellen Themas" austauschen, haben Fragen dazu - dann rufen Sie mich einfach an ( 02131-660413 ) oder nutzen Sie den E-Mail-Kontakt (info(at)cd-sander.de). Ich freue mich auf einen ersten unverbindlichen Austausch mit Ihnen.

Ihre Anregungen

Ich freue mich über Anregungen zu weiteren Themen oder Akzenten, die Ihnen wichtig sind und die auch anderen Unternehmen Impulse geben können. Sprechen Sie mich gerne an: 02131-660413 oder per E-Mail.

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