Corona und Mitarbeitende

Worauf es jetzt ankommt! - auch in Zeiten des Wieder-Anlaufens

Aktualisierung 26.05.2020 - alle aktualisieren Textstellen in kursiver Schrift

Egal ob im Über-Einsatz, im Homeoffice, in Kurzarbeit oder . . .

„Aus den Augen - aus dem Sinn“ sagt eine alte Spruchweisheit. Dieser Spruchweisheit darf Mitarbeiterführung in Corona-Zeiten auf keinen Fall folgen. Im Gegenteil! Es heißt ja nicht umsonst Mitarbeiter-„Führung“. Jetzt ist die Vorbildfunktion noch stärker gefragt als im „ganz normalen Wahnsinn“.

Denken Sie dabei an das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche – passender konnte es nicht sein: „Sieben Wochen ohne Pessimismus – Zuversicht“. Wenn Sie als Chefin und Chef nicht ausstrahlen – wer dann!?

Eine Gefahr dabei: Die Gewohnheit. Und damit nimmt die Kontakt-Frequenz und -Intensität dann doch wieder ab. Seien Sie sich dieser Gefahr bewusst. Steuern Sie selber gegen. Vielleicht durch Wiedervorlagen. Und sprechen Sie mit Ihren Mitarbeiter*innen immer mal wieder über deren Bedürfnisse. Auch diese können sich im weiteren Zeitverlauf und mit der zunehmenden Dauer dieser Situation verändern.

Mitarbeiter*innen im Über-Einsatz

In vielen Unternehmen und Institutionen ist jetzt Über-Einsatz gefordert. Und es sind nicht nur die, an die wir alle spontan denken wie Krankenhäuser, Pflegedienste, Lebensmitteleinzelhandel etc. Es sind auch die Mitarbeiter*innen in kommunalen Verwaltungen, in Bezirksregierungen (Bewilligung der Anträge der Soforthilfe Bund – in NRW am vergangenen Wochenende 700 Mitarbeiter*innen dafür im Einsatz!), in Krisenstäben von Unternehmen und . . .

Die Begleitung dieser Mitarbeiter*innen dürfte meist sehr eng sein, teilweise auch mit neuen Methoden und Vorgehensweisen. Und doch ist es wichtig, die eigene Führungsaufgabe immer wieder zu überdenken und anzupassen. Was besonders wichtig sein wird:

•  Engen kommunikativen Kontakt halten – bei allem räumlichen Abstand. Das heißt vor allem auch „zuhören“.
•  Teambesprechungen – egal auf welcher Medien-Ebene – besonders strukturiert und ergebnis-orientiert durchführen.
•  Das „Danke“ nicht vergessen – im Einzelgespräch, wie gegenüber der ganzen Mannschaft. Dabei denke ich in erster Linie wieder an die Chefaufgabe „Kommunikation“. Ggf. ist auch, wenn machbar, ein finanzielles Dankeschön zu bedenken.
•  Geben Sie positive Reaktionen aus der Kundschaft, dem Umfeld an Ihre Mannschaft weiter.
•  Greifen Sie Anregungen aus der Mannschaft jetzt ganz besonders intensiv auf.
•  Geben Sie von sich aus klare Hinweise, wie lange der Über-Einsatz noch erforderlich sein wird. Sprechen Sie (erste) Reduzierungen und damit "Normalisierungen" bewusst an - sonst besteht die Gefahr, dass diese nicht so wahrgenommen werden.
•  . . .

Mitarbeiter*innen im Home-Office

Natürlich gelten die Hinweise zur Mitarbeiterführung im Über-Einsatz auch hier. Darüber hinaus ist das Kontakthalten noch einen Tick wichtiger:

•  Halten Sie gezielt und regelmäßig Kontakt zu Ihren Mitarbeiter*innen „da zuhause“. Überlegen Sie, wie Sie die sonstigen „Nebenbei-Kontakte“ im Unternehmen auf diese neue Ebene übertragen können.
•  Bedenken Sie die ungewohnte Arbeitssituation zuhause. Nicht alle Ihre Mitarbeiter*innen können sich dort in einen abgegrenzten Bereich zurückziehen. Sondern die Arbeit findet zum Teil mitten im Familienleben statt. Und dieses erleben momentan viele Familien eh in einer vollkommen ungewohnten Dimension.
•  Überlegen Sie, wie Sie Aufgaben inhaltlich und zeitlich so gestalten können, dass Sie damit auf die individuell unterschiedlichen Ausgangssituationen möglichst Rücksicht nehmen können.
•  Geben Sie Gelegenheit zum Austausch über diese neuen Erfahrungen, damit Ihre Mitarbeiter*innen voneinander lernen können.
•  Definieren Sie dann mit Ihrer Mannschaft in diesem Prozessverlauf Regeln für diese neue Art der Zusammenarbeit.
• Fahren Sie die Arbeit im Home-Office - wenn auch teilweise - wieder zurück. Zum Beispiel für Team-Besprechungen unter Einhaltung der Kontaktregelungen wirklich wieder im persönlichen Team-Kontakt. Die meisten Mitarbeiter*innen sehnen sich danach.
• Mit längerer Dauer des Home-Office wird diese Arbeitsform nicht unbedingt einfacher. Ja, sie wird mehr zur Routine - aber die häuslichen Belastungsfaktoren nehmen zu. Bleiben Sie dazu im Kontakt. Nehmen Sie Home-Office zuerst bei den Mitarbeiter*innen zurück, für die die häusliche Situation besonders belastend ist (wenn es dort wegen der Kinderbetreuung möglich ist).

•  . . .

Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit

Kurzarbeit ist ein erheblicher Einschnitt in das Leben der Betroffenen . Kurzarbeit entkoppelt in verschiedenen Dimensionen vom normalen Leben:

•  Die tägliche Arbeit entfällt, damit auch die Tagesstruktur und der Sinn oder zumindest ein Teil des Sinns des täglichen Lebens.
•  Die sozialen Kontakte sind im Tagesverlauf weg oder es sind ganz andere; und das im Umfeld der Kontaktsperre.
•  Die finanzielle Einschränkung ist erheblich – kann existenziell werden bei längerer Dauer der Kurzarbeit.
• Auch hier gilt: Verlängerungen und Reduzierungen offen im Vorhinein ansprechen. Vor allem dann, wenn dies für unterschiedliche Gruppen von Mitarbeiter*innen nicht einheitlich erfolgen kann.
•  . . .

In einer solchen Ausnahme-Situation ist Kommunikation lebenswichtig :

•  Sprechen Sie vor dem Antrag mit der gesamten Mannschaft darüber. Begründen Sie Ihre Entscheidung ausführlich.
•  Sprechen Sie die Betroffenen persönlich an. Das gilt besonders, wenn Kurzarbeit nicht für alle Mitarbeiter*innen gilt.
•  Sprechen Sie auch mit den (noch) Nicht-Betroffenen. Diese sollten gegenüber den Betroffenen keine Schuldgefühle entwickeln – aber auch keine negative Kommunikation betreiben.
•  Halten Sie Kontakt während der Kurzarbeitsphase. Überlegen Sie, wie Sie das über welche Medien mit welcher Frequenz und welchen Inhalten am sinnvollsten gestalten können. Denken Sie zum Beispiel an eine Rundmail pro Woche mit „Berichten aus dem Unternehmen“. Schildern Sie dabei auch positive Rückmeldungen aus dem Umfeld und von Kunden, Ihre Aktivitäten, um den Laden am Laufen zu halten, Ihre Vorbereitungen auf die Nach-Corona-Zeit, . . .
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Ihre Führungsaufgabe heute - und mit Blick auf morgen

Nehmen Sie Ihre Vorbildaufgabe ernst und wahr – in jeder Beziehung. Ich berate gerade ein Unternehmen mit ca. 50 Mitarbeiter*innen in der Vorbereitung auf einen Corona-Sofortkredit: Die drei Geschäftsführer haben noch vor der Anfrage bei mir als eine ihren ersten Maßnahmen ihre Geschäftsführergehälter um 50 % reduziert. Ja – auch das gehört dazu. Vor allem, wenn Sie Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit schicken müssen.

Und bereiten Sie sich auf die Wendung zum Schlimmeren vor: Wenn Sie befürchten müssen, ggf. im weiteren Verlauf, Mitarbeiter*innen entlassen zu müssen – dann bereiten Sie dies bereits jetzt gedanklich vor und binden Sie einen Fachanwalt für Arbeitsrecht in diese vorbereitenden Überlegungen mit ein. Die Fragen dafür sind zum Beispiel folgende: Von welchen Mitarbeiter*innen würde ich mich aus welchen Gründen zuerst trennen wollen / müssen? Wie gehe ich das arbeitsrechtlich und in der Kommunikation an? Beide Dimensionen sind elementar. Bedenken Sie die Kommunikation mit den Betroffenen einerseits und mit allen Mitarbeiter*innen andererseits.

Ihre Mitarbeiterführung: Weitere Praxistipps

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„03 Mitarbeiterführung“ Praxistipps zum Herunterladen für folgende Themen:

•  Mitarbeiterführung und Wohlwollen
•  Mitarbeiter/innen – die Potenziale fordern und fördern
•  Workshops mit Mitarbeiter/innen – Weg zum Erfolg
•  Mitarbeiter/innen-Motivation
•  Ihre positiven Aussagen zu Ihren Mitarbeiter/innen
•  Die zweite Führungsebene und Chef und Chefin selber
•  Digitalisierung und Mitarbeiter/innen
•  Fahrplan für Mitarbeitergespräche
•  Regeln für Teamgespräche
•  Führungsaufgabe: Zusammenarbeit mit Kollegen/innen
•  Mitarbeiterführung und Zuhören

Weitere Praxistipps zu "Corona und . . ."

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