Rating-Treppe
Meine Ziele für das Rating:
Voraussetzung für eine sinnvolle Zielsetzung ist, dass Sie mit den mit den Grundlagen des Ratings vertraut sind. Falls Sie sich noch nicht ausreichend informiert fühlen, lesen Sie kurz das Wesentliche nach.
Überlegen Sie, was Ihre Ziele beim Rating-Prozess sind. Streben Sie eine bestimmte Rating-Kategorie an? Dann informieren Sie sich über die gängige Systematik der Ratingklassen. Wollen Sie das Rating der Banken als „notwendiges Übel“ möglichst schnell hinter sich bringen, oder sehen Sie es als „Fitnessprogramm“ für Ihr Unternehmen - denn gutes Rating bedeutet "gute Unternehmensentwicklung"!?
Sie hätten gerne einen Gedankenaustausch zu Ihren Ratingzielen - sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater, einem Kollegen oder einem anderen Partner Ihres Vertrauens. Vielleicht möchten Sie sich auch über die Unterstützungsmöglichkeiten der Ratingbegleitung informieren.
Meine eigene Ersteinschätzung
Bevor Sie mit Ihrer Bank über deren Rating sprechen, sollten Sie eine möglichst realistische Einschätzung Ihres eigenen Unternehmens haben. Die haben Sie doch sowieso! Gut. Aber denken Sie daran: Banken möchten "Meinungen" durch "Fakten" belegt bekommen. Also auch durch Unterlagen von Ihnen.
Vielleicht ist es für Sie hilfreich, anhand einer Checkliste die quantitativen und qualitativen Fragestellungen des Rating abzuprüfen: wie schätze ich mein Unternehmen selber ein?
Mein 1. Bankgespräch zum Rating
Bevor Sie in Ihre Bankgespräche gehen, sollten Sie sich gut vorbereiten. Dann erzielen Sie auch bessere Gesprächsergebnisse. Denn was für Kunden- und Lieferantengespräche gilt, gilt auch für Bankgespräche: "Vorbereitung ist die halbe Miete". Wie gehe ich an meine Bankgespräche heran - wenn Sie dazu weitere Hinweise wünschen, finden Sie diese unter "www.bankgespraeche.de"
Nach einer guten Vorbereitung sollten Sie nun mit Ihrer Bank folgende Fragen klären:
- Wie sieht Ihre Bank / Sparkasse aktuell Ihr Unternehmen?
- Welche Risikokategorien nutzt Ihre Bank und wo ist Ihr Unternehmen derzeit einzuordnen?
- Welche besonderen Stärken und Schwächen sieht Ihre Bank und welche Faktoren sind in den Augen Ihrer Bank für die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens besonders wichtig?
- Kann Ihre Bank Ihnen konkrete Hinweise/Ideen/Impulse geben zu den kritisch eingeschätzten Themen Ihres Unternehmens: wie können Sie diese Themen angehen/an den Themen arbeiten?
- Welche Unterlagen benötigt die Bank in welcher Aufbereitung/Qualität, um ein komplettes Rating durchführen zu können?
Aufbereitung meiner Unterlagen
Stellen Sie die benötigten Unterlage zusammen und legen Sie gegebenenfalls fest, wer für die Beschaffung oder Verbesserung bestimmter Unterlagen zuständig ist und bis wann diese in ausreichender Qualität vorhanden sein sollen.
Viele Mittelständler schimpfen an dieser Stelle darüber, wie viel Aufwand sie für die Bank zu betreiben haben. Sehen Sie es anders: Sie prüfen, welche unternehmerischen Fragen / Aussagen hinter dieser Unterlagen stecken. Denn: diese Unterlagen bilden genau wie die Zahlen Ihres Rechnungswesens konkrete betriebliche Abläufe und Ergebnisse ab. Also können Sie jede dieser Unterlagen ggf. auch für die Steuerung Ihres Unternehmens verwenden. Denn Rating als Bonitätsprüfungs-Instrument ist ein Spiegel des Erfolgs Ihrer Unternehmenssteuerung.
Meine parallelen Aktivitäten im Unternehmen
Während die Aufbereitung Ihrer Unterlagen läuft denken Sie nochmals an den Aspekt, dass alle Unterlagen nur ein Abbild von Aktivitäten, Arbeiten, Prozesse in Ihrem Unternehmen, mit Ihren Kunden und Lieferanten sind. Also geben diese Unterlagen Ihnen auch Hinweise auf Stellschrauben im eigenen Unternehmen, an denen Sie mehr oder weniger stark drehen sollten, um das Unternehmensergebnis kurz- und mittelfristig zu verbessern.
Aus dem Grunde haben Sie Ihren Banker im 1. Bankgespräch für das Rating ja auch nach dessen Einschätzung von Stärken und Schwächen Ihres Unternehmens gefragt. Seine Hinweise und Argumente nehmen Sie jetzt nochmals auf und prüfen, ob daraus für Sie Handlungsimpulse entstehen.
Mein 2. Bankgespräch zum Rating
In Ihrem 2. Bankgespräch präsentieren Sie Ihrer Bank die zusammengestellten Unterlagen und die Bilanz Ihrer parallelen Aktivitäten – wie entwickelt sich Ihr Unternehmen weiter, wo haben Sie die Anregungen aus dem 1. Bankgespräch aufgegriffen? Stellen Sie eine Mappe mit den relevanten Informationen zusammen und vereinbaren Sie mit Ihrem Banker, wer sein Ansprechpartner im Unternehmen für eventuelle Rückfragen ist und einen Termin für das dritte Bankgespräch, in dem er Ihnen die Rating-Ergebnisse mitteilt und detailliert erklärt.
Mein 3. Bankgespräch zum Rating
Vorbereitung zum 3. Bankgespräch zum Rating heißt für Sie vor allem: Ruhe bewahren, sich aufs Zuhören einstellen! Nehmen Sie die Einschätzungen Ihres Bankers ruhig entgegen. Sie müssen nicht immer gleich etwas entgegnen - das wirkt allzu oft wie eilfertige Rechtfertigung. Und vor allem: streiten Sie nicht. Einschätzungen sind auch subjektiv und vom jeweiligen Erfahrungshorizont her bestimmt. Ihr Banker ist kein Unternehmer. Er denkt und handelt anders als Sie - das ist seine Rolle. Gerade deswegen kann der Gedankenaustausch und können seine Einschätzungen für Sie wertvoll sein!
Fragen Sie nach, wenn Sie Einschätzungen und Beurteilungen inhaltlich nicht verstehen oder nachvollziehen können oder Fremdwörter benutzt werden, die Sie nicht kennen. Zeigen Sie, wann Sie mit der Einschätzung übereinstimmen und wann Sie darüber noch nachdenken möchten. Fragen Sie nach dem Ratingurteil - der Risikoklassifikation - und wie Sie diese im Ratingsystem Ihrer Bank einschätzen müssen.
Meine weiteren Aktivitäten
Unabhängig davon, wie zufrieden Sie mit Ihrem 3. Bankgespräch zum Rating und der Einschätzung Ihrer Bank sind: Darauf können Sie aufbauen!
Sie sollten vorerst das Gespräch nachwirken lassen und im "Stillen Kämmerlein" die Einschätzungen Ihrer Bank überdenken. Filtern Sie für sich heraus, wo Sie eventuell aufgrund des Gespräches weiteren Handlungsbedarf erkennen.
Wenn es sinnvoll ist, sollten Sie ggf. mit Ihrem Banker nochmals über die eine oder andere seiner Einschätzungen sprechen, wenn Ihre Meinung sehr deutlich von seiner abweicht - und diese Divergenz für zukünftige Kreditentscheidungen Ihrer Bank bedeutsam sein könnte. Auf dieses Gespräch sollten Sie sich dann doppelt gut vorbereiten - Sie möchten Ihren Banker ja von Ihrer Sichtweise überzeugen. Auch wenn Ihnen dieses nicht ganz oder gar nicht gelingen sollte - wichtig ist dieses Gespräch!
Legen Sie in einen Aktivitätenplan fest, welche Maßnahmen jetzt weiterhin erforderlich sind, um Anregungen zur Verbesserung aufzugreifen, um die Stärken Ihres Unternehmens noch besser zu nutzen, und die wettbewerbsrelevanten Schwächen abzubauen.

